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Fotografieren an Weihnachten - das solltest du beachten

Die besinnliche Weihnachtszeit steht vor der Tür und da möchte man die schönen Familienmomente mit der Kamera festhalten - wie sich die Kleinen über die Geschenke freuen, wie Tante Käthe den Weihnachtsbraten anschneidet und Onkel Otto später nach 3 Eierpunsch im Sessel einschläft.

Alles einmalige Momente, über die man später schmunzeln und reden kann. Da fast jeder zuhause entweder ein fototaugliches Smartphone oder eine kleine Kompaktkamera besitzt, möchte ich hier ein paar einfache Tricks vorstellen, die euch schöne Erinnerungen kreieren lassen, ganz ohne Stress und sogar mit Kindern, Haustieren und gut gefüllten bäuchen umsetzbar sind :) 


1. Gehe ganz nah heran

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Quelle: https://pixabay.com/de/users/Pexels-2286921/

Hier haben wir einen der einfachen, aber wirkungsvollsten tricks - nah an das Objekt der Fotobegierde gehen. 

 

Dabei ist nicht gemeint, dass ihr mit dem Smartphone oder der Kamera einfach euren Digitalzoom nehmt, dieser hat ohnehin nicht die beste Qualität. 

Bei einer Kamera mit Wechselobjektiv kann man den objektiven Zoom benutzen, sprich die Werte, die auf eurem Objektiv zu finden sind (z.B. 18-55 mm Brennweite), hier ist der Zoom qualitätsfrei zu erreichen und man kann am selben Ort stehen bleiben und dennoch das Objekt optisch  näher bringen.

Habt ihr keinen objektiven Zoom, geht ein paar Schritte näher heran, bei Objekten wie Plätzchen, Tischdeko, Lichtern, etc... sicher kein Problem. Diese bleiben still an ihrem Platz und sind somit beste Übungsobjekte.

 

 

Wenn ihr Menschen so nah fotografieren wollt, sollten diese darauf vorbereitet sein, da ihr ohne Zoom ihnen sonst sehr schnell zu nahe kommen könnt.

Die Wirkung von Nähe ist wunderbar, sie fokussiert das Wichtige, lässt unnötige Details verschwinden und erleichtert somit die sogenannte Lesbarkeit für das Auge. Auge und Gehirn freuen sich stets über simple, aber kreative Ideen, weil diese besser erkannt und somit auch gespeichert werden können.

Detailbilder mit Ganzkörperaufnahmen sind eine super Mischung im Fotobuch!


Fazit:

Diese Technik können auch Kinder umsetzen, wenn man Ihnen sagt, dass sie so nah an das Fotomotiv gehen sollen, bis alles vorhanden, aber fast nichts im Hintergrund zu finden ist. Die Kameraeinstellungen können die Erwachsenen voreinstellen.


2. Wechsle die perspektive

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Es gibt nicht umsonst die Sätze "Jeder hat seine Sichtweise auf die Dinge" und "Es gibt immer 2 Seiten der Münze" - beide zielen darauf ab, dass es stets mehrere Blickwinkel und jeder seinen persönlichen auf die Dinge hat. Das ist auch gut so, solange man mehrere Seiten akzeptieren kann.

 

Auch in der Fotografie ist ein Perspektivwechsel essentiell, zum einen, weil es manchmal mehr als eine Lösung gibt und zum anderen da manche Personen und Objekte aus einem anderen Winkel auf einmal eine ganz andere Wirkung entfalten.

Hierzu reicht die einfachste Kamera, sogar das bloße Auge, um den Blick zu schulen. 

 

Die Wirkung ist deshalb so groß, weil wir manche Dinge so noch nicht gesehen haben, sie deshalb interessant sind. Dennoch gelten ein paar einfache Regeln der Kunst: Bilder von der Drauf- oder Druntersicht können funktionieren, ebenso Objekte, die diagonal oder parallel/gleichmäßig winklig - linienförmig durch das Bild laufen (siehe Bilder links).

 

Hier ist die Wirkung am größten, wenn es eine klare Formhierarchie gibt: entweder Linien in die eine oder in die andere Richtung, möglicherweise verstärkt durch Farben und Tiefenwirkung (siehe Punkt 4). 

Man merkt, dass die persönliche Sicht der Dinge zwar gewohnt und verlässlich scheint, es jedoch in anderen Höhen/Winkeln deutlich mehr Potential gibt, kreative und spannende Bilder zu erzeugen.

Einfach und schnell ohne Kamera zu testen!


Fazit: Sehr geeignet für Kinder, auch da nicht zwingend eine Kamera / Smartphone benötigt wird, um verschiedene Perspektiven zu erfassen. Man könnte ein kleines Spiel draus machen, jedem ein Smartphone geben und alle sollen das gleiche Objekt aus einer anderen Richtung fotografieren und später die Wirkung beschreiben oder ein Puzzle daraus machen.


3. Gehe auf Augenhöhe

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Dieser Punkt hat einiges mit Punkt 2 gemeinsam und verlangt, dass man ebenso die eigene Sichtweise ändert, nicht unbedingt den Winkel, sondern vielmehr die Fotografiehöhe. 

Personen oder Dinge von oben zu fotografieren hat zwar seinen reiz, jedoch wird man es später beim betrachten der Bilder schwer haben, die wahre größe, bzw. Stimmung einzuschätzen.

 

Beispiel: ein 6-jähriges Kind wirkt noch kleiner, wenn es der Papa stets nur von seiner Größe aus ablichtet. ebenso wird es das Kind schwieriger haben, seine eigene größe abzuschätzen. Wird es von seiner eigenen Augenhöhe fotografiert, kann es nachher sagen und fühlen, wie klein es doch war, wie schnell es doch gewachsen ist. 

 

Ebenso geht es im Bildeffekt nicht unter, ist Mittelpunkt des geschehens. 

Hierzu kann es manchmal nötig sein, dass man sich auf den Boden legt oder sich etwas merkwürdig hinkniet, aber keine Sorge, das Ergebnis zählt und so haben die familienmitglieder wenigstens etwas zu lachen :) 

 

Hat man den Luxus eines schwenkbaren Displays, entfällt die Turnübung, zur Not kann man ein fest verbautes Display samt Kamera auf ein kleines Kirschkrenkissen / reis- oder Sandsäckchen stellen, nachdem die Einstellungen korrekt vorgenommen wurden.

 

Gleiches  gilt auch für die eigenen Haustiere, ob Hund, Katze oder ein anderes Tier. Es ist viel niedlicher, wenn man das Tier in den Fokus nimmt, etwas Hintergrund hinzunimmt. 

Ist der Stubentiger nur von oben zu sehen, womöglich noch ganz klein und fast im Weihnachtskranz versteckt, verliert das Bild enorm an Wirkung und wird sicher kein zweites Mal angeschaut. 

Der Hund wirkt auch viel sympathischer, wenn er auf Augenhöhe fotografiert, gierig auf den braten schaut und man ihn schon förmlich sabbern sehen kann. Das sind Bilder, die die Stimmung gut beschreiben und erinnerungswürdig sind.

 

Spaß für die ganze Familie!


Fazit: Auch diesen Punkt kann man ein Kind mit einer einfachen Kamera machen lassen, ohne viel erklären zu müssen. Das Kind kann sich hinlegen, setzen, vielleicht auf einen Stuhl stellen, aber hier ist definitiv die Aufsicht eines Erwachsenen von Nöten.


4. Kreiere Stimmung

 

Hier kommt der krönende Abschluss für alle, die leicht mit den obigen punkten zurecht kamen. Nun wird es etwas anspruchsvoller, doch alle Tipps bauen auf obigen Punkten auf. 

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Quelle: https://pixabay.com/de/users/freestocks-photos-7014431/

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Tieffenunschärfe & Bokeh

Wie eindeutig zu erkennen, sind die Weihnachtskugeln im Vordergrund scharf und der Hintergrund verschwindet in sogenannten "Bokehs", das sind die fast runden Kügelchen. Die Rundheit dieser ist abhängig von der Lamellenzahl eures Objektivs. Die Einstellungen im Smartphone und einer einfachen Digicam sind simpel - stellt auf den portrait- oder "blümchenmodus" (symbol auf dem Auswahlrad der Digicam)um. Fokussiert das Objekt und je mehr Abstand zwischen dem vorderen Objekt und dem Hintergrund liegen, desto verschwommener wird dieser. Bei einer DSRL wählt ihr eine offene Blende (f 4 oder weniger) und eine Brennweite von 50 mm oder mehr.

 

perspektive, Details & 3-Farbenregel

Die perspektivänderung und die Fokussierung auf Details kennt ihr schon aus den Punkten 1 & 2. Nun kommt noch ein weiterer Punkt hinzu, der Klarheit für das Gehirn, aber auch Wiedererkennungswert liefert. Wenn möglich, nimmt man beim Fotografieren wie auch in der Mode, am besten nicht mehr als 3 Farben zur Hand. Schwarz, weiß und Grau können, müssen aber als neutrale Farben nicht hinzu gerechnet werden. Hier links haben wir eine Kombi von weiß, beige, rot, grün und schwarz. Eine Farbe in Abstufung (hier rot und beige) dürfen mehrfach vorkommen, ohne das unser Gehirn überfordert ist. Zu Farbkombinationen gibt es zig Bücher...

 

Belichtungsdauer & Weißabgleich

Die belichtungsdauer richtet sich nach dem dunkelsten und hellsten Objekt im Bild und wird auf dem Smartphone und der einfachen Digicam im Automatik- oder bei Dunkelheit im Nachtmodus eigenständig berechnet, meist zu Lasten der Schärfe. Der Einfachheit halber versucht, die ISO-Zahl so gering wie möglich zu halten (max. ISO 800, sonst kommt es zu Bildrauschen), nehmt eine Belichtungdauer abhängig vom objektiv und der Objektgeschwindigkeit  von 1/60 - 1/125 s und eine offene Blende von mindesten f4, um Licht einzufangen. Stellt eure Person neben/unter eine Lichtquelle/Fenster, vermeidet es den internen Kamerablitz zu nehmen, dieser zerstört eure Stimmung. Lieber mit einem Aufsteckblitz an die helle Decke blitzen. Der Weißabgleich ist auf dem Smartphone automatisch, auf der Kamera kann man von circa 5500 Kelvin ausgehen, das ist die Farbtemperatur, die tagsüber für gewöhnlich herrscht. Zur Not kann man diese im Kameramenü erhöhen oder für die Weihnachtsbeleuchtung etwas heruntersetzen (blauer gestalten). 

 

Bildstaffelung, Drittel-regel & Fibonacci-Spirale

Ein gutes Bild lebt von verschiedenen Ebenen, Vorder-, Mittel- und Hintergrund und der passenden Tiefenunschärfe dazu. Baum vorne, Tisch mittig, Familie hinten. 

Hinzu kommt die Drittel-regel (das Bild horizontal oder vertikal in 3 gleich große teile teilen oder in 9 gleich große Felder) oder wer es ausgefallener mag, nimmt sich die Fibonacci-Spirale zu Herzen, diese ist ähnlich wie der "Goldene Schnitt".

Alle Techniken sind kein Muss, tragen aber zum allgemeinen gefallen der Bilder bei, da sie wieder leicht lesbar und logisch gestaltet sind. Bilder, die symmetrisch oder gar mittig konstruiert sind, wirken schnell langweilig.


Fazit:

Auch bei diesen Techniken kann Jung und Alt zusammenarbeiten, hier ist es empfehlenswert, dass die Kinder mindestens in der weiterführenden Schule sind, damit sie Farbfolgen, Bildschnitte, etc... schon einmal im Kunstunterricht hatten. Oder es ist die Chance, für Eltern, es dem neugierigen Kind in Ruhe, aber mithilfe von Beispielen näher zu bringen.


Vor lauter Kreativität darf man aber auch das Feiern nicht vergessen - denkt daran, keiner ist perfekt, Hauptsache, ihr habt nachher ein schönes Festbild und könnt die Tage genießen als hundert schlechte. Die Mitarbeit von Jung und Alt ist hier wichtiger als ein einwandfreis Ergebnis.

 

Schöne Feiertage euch! :) 

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