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Die Tücken der Hochzeitsfotografie

Wer kennt das nicht - da fotografiert man schon seit einiger Zeit Menschen und bekommt plötzlich einmal den Auftrag, eine Hochzeit zu fotografieren.  Oder man fotografiert schon seit ein paar Monaten diese, fühlt sich an manchen Stellen noch etwas unsicher.

Hier geht es nicht um eine Abhandlung, auf was man allgemein achten soll, welche Ausrüstung, etc... Diese Themen wurden schon hundertmal sehr gut im Internet beschrieben. Ich möchte euch lieber meine Top-Fehlerquellen präsentieren, aus denen ich gelernt habe, sagen, ob man in der Nacharbeitung noch etwas aus dem Bild machen kann oder ob ihr dieses dem Brautpaar lieber nicht zeigt... Let's go!

1. DU BIST EINFACH ZU SCHÜCHTERN

 

Das ist ein Fehler, den wirklich jeder schon einmal gemacht hat, ob bei Hochzeitsfotografie oder Portraitshootings. Sicherheit holst du dir, indem du vorher ein informatives Gespräch zum Hochzeitsablauf mit dem Brautpaar geführt hast, doch was ist mit den Gästen, was ist, wenn vor Ort jemand sehr schlechte Laune hat, nicht fotografiert werden will, du dich nicht traust, Personen anzureden und nach einem Foto zu fragen?

Situationen, die du nicht fotografiert hast, kannst du auch nicht mehr nachholen, also ein definitives No-Go. 

Es gibt 2 Möglichkeiten: Überwinde deine Angst, gehe freundlich auf die Leute zu, stelle dich in einem Satz vor und frage, ob du ein Foto machen darfst. Wenn die Leute nicht gerade beim Essen oder rauchen sind, wird eher selten jemand nein sagen. Zur Not erkläre, die Brautleute würden sich sehr über das Foto freuen. Menschen brauchen erst einmal etwas Zeit, um Vertrauen zu dir zu fassen, werden aber während der Zeremonie und Feier lockerer und offener für Fotos. Denke daran, du tust das für das Brautpaar, deine Berührungsangst ist irrelevant.

Möchte jemand partout nicht fotografiert werden, wird es schwieriger. Zum Gruppenfoto wird diese Person sich vielleicht noch durchdringen, dann hast du Glück, weil du schon ein wichtiges Foto hast. Wenn nicht, bliebt dir nur der unauffällige Ninja-Style, wie ich ihn nenne. Das heißt nicht, dass du dich an die Gäste anpirschen und im Agentenstyle eine Show abziehen sollst, sondern gehe auf Distanz zu der Person, passe sie in einem Augenblick ab, in der sie sich wohl und unbeobachtet fühlt (z.B. im Gespräch mit jemanden), schraube dein Teleobjektiv auf und fotografiere "beiläufig". Du wirst kein gestelltes Portrait von der Person bekommen, aber eines im Reportragestil kann aufregender sein als man denkt und die Person ist doch abgebildet, nur falls nachher die Beschwerde kommt, warum ein Gast nicht zu sehen war und glaubt mir, das kommt! :) 

Euer oberstes Ziel ist, den Auftraggeber, das zahlende Paar glücklich zu machen. Sicher sollt ihr die Privatsphäre der Gäste achten, aber jeder normale Mensch weiß, dass auf Hochzeiten Fotos geschossen werden und ihr als Fotograf könnt Personen noch schmeichelhafter abbilden als Onkel Otto mit dem Blitzer voll ins Gesicht!

2. DU VERGISST WICHTIGE MOMENTE ZU FOTOGRAFIEREN

 

Dieser Fehler ist mir zum Glück bisher noch nicht passiert und sollte wie in Punkt 1 schon beschrieben auch nicht passieren. Ein durchschnittliches Bild kann man eventuell brauchbar machen, ein nicht vorhandenes hingegen...

Da ich momentan keine Aufträge in Kirchen, bzw. später auf der Party hatte, ist diese Auflistung von euch gegebenenfalls zu ergänzen, auch nach den speziellen Wünschen des Brautpaares. Befolgt ihr meinen Ratschlag, seid ihr schon einmal auf der guten Seite:

 

a) Getting ready: Braut wird geschminkt & frisiert / Bräutigam stylt sich / Ganzkörper- und Detailaufnahmen  der Kleider, Make Up, Schuhe, Tasche, Strauß, Krawatte und des Schmucks / Anstoßen mit Sekt, kleiner Snack / Brauteltern werden gestylt / Trauzeugen sitzen zusammen / Ankleiden der Braut / Einsteigen ins Brautauto

b) Am Trauort: Begrüßung der Gäste / Ankunft der Brautleute im Auto / Blumenschmuck Auto / Blumenkinder / Zug ins Standesamt oder in die Kirche

c) Während der Trauung: Aufregung des wartenden Bräutigams / Blumenkinder / Ankommen der Braut mit Brautvater, Übergabe / erster Blick des Brautpaares / Bilder Szenerie Gäste / Ehegelübte / Ringtausch / Brautkuss / Unterschrift vertrag

d) Sektempfang: Auszug Brautpaar aus Örtlichkeit / Reiswerfen, Taubenflug, etc... / Gratulation durch Gäste, besonders auf die Eltern und Großeltern achten / Anstoßen mit Sekt, Details Sektbuffet / Zeit für einzelne Portraits der Gäste, gerne auch gestellt / Gruppenbild / Einzel-Bild mit (Groß-)Eltern und Trauzeugen

e) Brautpaarbilder: Bilder nach Geschmack des Paares (romantisch, spaßig, elegant, etc...), mindestens 3 verschiedene Posen oder Hintergründe / Detailbild Brautstrauß und Eheringe / Bild mit Kind oder Haustier / Bild von der Brautfrisur

f) Auf der Feier: Detailbilder von Tischdeko / Hochzeitstorte / erster Tanz des Brautpaares / Fotos bei Ansprachen oder Spielen / erneut Zeit für ungezwungene Einzelportraits der Gäste / Brauttisch / Brautgeschenke / Essen fotografieren, aber nicht die Gäste während des Essens!


 

3. DU HAST MIT DER FALSCHEN BLENDE FOTOGRAFIERT

 

Ein ungeschickter, aber  kein tödlicher Fehler. wenn du generell eine hohe Blendenzahl über 7 benutzt hast. Solange dein Bild hell genug ist, der Ausschnitt passt, aber nicht das gewünschte Bokeh vorhanden ist, ist das Bild immer noch brauchbar, wenn auch weniger kreativ. 

Ich kann dich beruhigen, nicht jedes Brautpaar steht auf extreme Tiefenschärfe, auch die Situation spielt eine Rolle. Passiert dir dies bei der Zeremonie, hast du wenigstens erkennbare Emotionen der Gäste mit eingefangen, was sogar positiv wirken kann. Anders sieht es beim Brautkuss oder bei den Brautpaarbildern aus, wo nur das Paar im Mittelpunkt stehen sollte.

Fotografierst du digital, hoffentlich im Raw-Format, und bist einigermaßen fit in Photoshop, besteht noch Hoffnung. Mithilfe der Ebenentechnik und dem Gauß'schen Weichzeichner kannst du den Hintergrund unscharf gestalten, ohne super Bokeh, aber dafür wird eine Tiefe erkennbar. Übertreibe diesen Effekt nicht, nimm lieber wieder etwas Deckkraft heraus. Ist dir immer noch zu viel ablenkendes im Hintergrund los, stempele weg, was nicht dahin gehört oder nimm für maximal 30% die Sättigung partiell aus dem Hintergrund (Masken benutzen). Alle Effekte bitte nur so wählen, dass man geradeso einen Unterschied sieht, doch das gebastelte nicht zu sehr ins Auge fällt.

Hast du nur offenblendig fotografiert, dabei den richtigen Fokuspunkt erwischt, kann man das als eigenen Stil betrachten, solange das Brautpaar damit einverstanden und alles Wichtige vorhanden ist.

Hast du bei der Offenblende auch noch unpassende Fokuspunkte gesetzt, ist das Bild unbrauchbar, in Photoshop nachschärfen funktioniert so nicht. Nur Bilder, die schon scharf sind, können etwas gepusht werden, aber fehlende Information können nicht rekonstruiert werden.

 

4. DEINE TECHNIK VERSAGT PLÖTZLICH!

 

Das ist sicher einer der schlimmsten Situationen, die sich ein Fotograf vorstellen kann. Da bereit man sich tagelang vor, hat alles Equipment in der Tasche und dann streikt es plötzlich!

Wenn du einen Zweitfotograf / Assistenten bei dir hast, kannst du dir dessen Ausrüstung schnappen. Falls du nicht zu weit weg wohnst von Feierort, kannst du deinen Assistenten während einer Pause kurz losschicken, Ersatzequipment zu holen.

Damit dir dieses Chaos nicht passiert, ist es stets gut, eine zweite Kamera, Objektiv, Speicherkarte, Akku, Batterien, Blitz, etc... mitzuführen. Sicherheitshalber im Rucksack, nicht im Auto. Ich hörte schon von Fotografen, die während ihrer Arbeit beklaut wurden, Diebe schafften sich Zutritt zum wohl abgeschlossenen Auto. Hast du Ausrüstung im Auto, weil es nicht anders geht, packe diese in den Kofferraum und decke ihn ab, sodass man von außen nicht sieht, was darin versteckt ist. Halte dich auch in deinen  Aussagen bedeckt, was für einen Equipmentwert du gerade mit dir herum trägst. Irgendein Fremder, der nicht zu den Gästen zählt, kann immer spitze Ohren bekommen.

Eine Zwischenspeicherung der Dateien auf dem Laptop oder einer 2. SD-Karte kann besonders bei einer längeren Reportage eine gute Idee sein, z.B. wenn die Gäste essen, hast du Zeit für die Datensicherung. Viele gute DSRLs haben mittlerweile ein 2. SD-Kartenfach und eine Kamera ohne dieses würde ich niemanden empfehlen zu kaufen!

Da auch ich kein Rockefeller bin, ist es für mich nachvollziehbar, wenn man sich kein teures Ersatzequipment kaufen kann. Entweder leihe es von guten Freunden/Kollegen, teste es aber einige Tage lang ausgiebig oder kaufe dir dein Wunschmodell gebraucht. Notfalls tut es auch eine gute Bridgekamera für die Handtasche, manche Fotografen benutzen diese auch für spezielle Stilmittel, weil ihre Technik mittlerweile recht gut ist und man für ein paar hundert Euro sich eine leisten kann. 

Und denke daran, selbst mit 3 Kameras und Megaequipment kann alles schiefgehen, das Risiko ist zwar etwas geringer, aber nie zu 100% ausgeschlossen. Wichtig ist, seine Technik zu kennen und regelmäßig warten zu lassen, egal wie günstig oder teuer sie war.


 

5. DEIN BILDSTIL GEFÄLLT DEM BRAUTPAR NICHT (MEHR)

 

Wie du fotografierst, solltest du schon beim Vorgespräch präsentiert haben, ob du mehr der Portrait- oder Reportagefotograf bist.

Gefallen deinen Kunden die Farben im Bild nicht, lässt sich das im Nachhinein am besten über Adobe Lightroom korrigieren, Stapelverarbeitung sei Dank! Ebenso bei monochromen Wünschen. 

Im Zweifelsfall fotografierst du immer in Farbe (RAW-Format!!!), damit du dich stilmäßig später notfalls austoben kannst. 

Bist du ein Vintagefotograf, der noch analog oder mit vielen Farbverläufen arbeitet, musst du das unbedingt vorher absprechen, ebenso muss ein Fotograf, der High-Class-Blitz-Bilder macht, dem Paar erklären, dass es keine körnigen Flauschi-Fotos erwarten kann. 

DAS MUSS VORHER GEKLÄRT UND AUCH GENAUSO IM VERTRAG FESTGEHALTEN WERDEN!

Im Nachgang kann man nur noch zwischen leichten Farbstilabweichungen (lieber ein kühler statt ein warmer Ton oder das Bild etwas heller oder dunkler) entscheiden oder ob man es monochrom haben will. Ein Boho-Fotograf wird nie zu einem Cinemasten werden, weil man von Anfang an eine andere Technik nimmt und anders fotografiert.

Erkläre das dem Brautpaar lieber einmal zu viel, halte es unbedingt schriftlich fest und bei aller Kundenliebe, aber wenn sich bei mir ein Paar 3 mal im Stil um entscheidet, bekommt es das, was es gebucht und unterschrieben hat. Deshalb gilt auch hier: Kommunikation ist alles!

 

6. DU HAST DICH SCHLECHT BENOMMEN

 

Dieser Punkt ist für mich persönlich der Wichtigste, weil er neben deinen Fotografien am längsten im Gedächtnis bleibt und dir dein Geschäft vielleicht für immer irreparabel schaden kann.

Sei von Anfang an freundlich und offen, schließlich bist du froh, dass ein Kunde Interesse an dir und deiner Arbeit zeigt, oder? Wenn es dich nervt, dass sich schon wieder ein Kunde meldet, dann quäle deine Kunden nicht weiter, mache deinen Laden dicht und werde wieder ein mies gelaunter Angestellter! Das war keine Beleidigung Angestellten gegenüber, aber mit schlechter Laune wirst du nie ein guter Chef sein. 

Kleide dich dem Hochzeitsdresscode entsprechend, es muss nicht überkandidelt sein, neutrale Farben wie Pastell, grau, blau, braun und schwarz sind stets eine gute Basis. Trage saubere, elegante Schuhe, mit denen du arbeiten kannst, wasche und bügele deine Kleidung. Trage etwas Make Up auf, wenig Schmuck, mache dir eine praktische, ordentliche Frisur und bringe deinen Bart und deine Nägel in Form. Auch wenn es Sommer ist, vermeide kurze Röcke oder Hosen, auch wenn die Gäste das tragen. Du repräsentierst ein unternehmen.

Sei höflich, stelle dich vor, aber rede nicht ständig über dich, höre mehr zu und nimm die Gästeinfos als Grundlage für gute Fotografien. Du stehst nicht im Mittelpunkt, also rede nicht darüber, wie viele Awards du schon gewonnen hast - auf einer Hochzeit interessiert das niemanden, man bucht dich, damit du andere ins beste Licht rückst, nicht dich selbst!

Trinke keinen Alkohol während der Arbeitszeit, aber wenn dir das Brautpaar Essen anbietet, kannst du es gerne annehmen, wenn es ohnehin eine Fotopause gibt. Geselle dich unter die Gäste, sei freundlich, doch verliere nie dein Ziel aus den Augen.

Bedanke dich beim Abschied höflich beim Brautpaar für die Einladung und fürs Vertrauen, ggf. auch Tage später per Telefon oder Mail.

Hast du einen kleinen zwischenmenschlichen Fehler gemacht, wird dir das sicher niemand krumm nehmen, respektierst du aber die Wünsche des Brautpaares nicht, ist dieser Fehler nicht wieder gut zu machen, auch nicht mit Top Bildern. Ein Nachfolgeauftrag kann nur durch ein solides Vertrauen entstehen, du verkaufst als Fotograf nicht nur deine Produkte, sondern auch dich und deine Moral.


 

...und was passiert, wenn mein Auftrag einfach schiefgelaufen, das Brautpaar unzufrieden ist?

Ich hoffe, dass du nie in eine solche Lage gerätst, sicher werden deine ersten Hochzeiten nicht das gelbe vom Ei sein, aber das Paar zumindest zufrieden stimmen, wenn du ein paar einfache Regeln befolgt hast.

Wie du dich als ernstzunehmender Dienstleister präsentieren sollst, wenn alles schiefgeht, ist klar: offen, ehrlich und kundenfreundlich.  

Zunächst versuche heraus zu finden, WAS genau dem Brautpaar nicht an den Bildern gefällt. Sind es Fehlende Bilder, die falsche Bearbeitung oder sind es fehlende Abzüge oder deine unfreundliche Art? Meist wirst du feststellen dass nicht alles verloren ist. Sei verständnisvoll, höre dir die Sorgen deiner Kunden an, lasse sie ausreden. Scheue dich nicht, den Fehler auf dich zu nehmen. Du musst dich nicht in eine Ecke drängen lassen und sofort eine Lösung parat haben, bitte deine Kunden um 1-2 Tage Bedenkzeit, wie das Problem am besten gelöst werden kann und melde dich wieder bei ihnen. Liegt die Sache nicht an den Bildern, hast du mit diesem Kundenservice schon wieder viel gut gemacht, Kunden zu beruhigen, aber ehrliche Lösungen zu präsentieren, ist die halbe Miete.

Liegt das Problem an technisch minderwertigen Fotografien, kann ein Preisnachlass die Lösung sein. Nicht den ganzen betrag, da du dich sonst als Dienstleister unglaubwürdig machst, aber einer dem Problem angemessenen Summe. Sind z.B. 20% der Bilder unbrauchbar, gib 20% Nachlass. Ist nur die Bildbearbeitung das Hindernis, arbeite eine bestimmte Menge kostenlos nach.

Fehlen ein paar Bilder (nicht die Schlüsselbilder wie Ringtausch, Brautkuss, Zeremonie), sondern Gruppenbilder, Stylingbilder, Einzel- und Familienfotos, dann biete ein kostenloses After-Wedding-Shooting an. Jeder kann sich noch einmal herausputzen und entspannt Bilder kreieren. Es geht nicht um die Nachstellung von Szenen, sondern um die Personen an sich, die man auf der Feier vielleicht nicht ablichten konnte.

Aus jeder Katastrophe kann man lernen und denke daran, dass nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird, nur sage das nie dem Brautpaar. 

Sei offen, sei ehrlich, sei freundlich!

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